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Kunlé Adeyemi: Inspirationen von Afrikas Visionär für schwimmende Architektur

Kunlé Adeyemi ist Designer, Städteforscher und Schöpfer von schwimmenden Gebäuden. Die visionäre Arbeit des Architekten umspannt mehrere Disziplinen und Kontinente. Es gibt eigentlich kaum etwas, das Kunlé Adeyemi nicht tut: Es liegt einfach in seiner Natur, sich mit dem Phänomen Stadt auseinanderzusetzen. Dabei konzentriert er sich insbesondere auf die Entwicklungsländer des Globalen Südens. Adeyemis Arbeit reicht von der Planung schwimmender Gebäude im nigerianischen Lagos bis zu aufsehenerregenden Entwürfen wie sein Serpentine Summer House von 2017.

Er hat sich schon immer für die Baukunst interessiert. Bereits als Teenager entwarf er sein erstes Gebäude und trat damit in die Fußstapfen seines Vaters. Später sammelte Adeyemi Erfahrungen im OMA (Office for Metropolitan Architecture), dem legendären Studio des renommierten Architekten Rem Koolhaas. Schließlich gründete er in den Niederlanden sein eigenes Büro und begann, sich vor allem im Rahmen einer bestimmten Architekturbewegung einen Namen zu machen. Bei dieser Bewegung wird buchstäblich auf Wasser gebaut. Sie wird dementsprechend auch als „schwimmende Architektur“ bezeichnet. Schwimmende Architektur ist in der Stadtplanung in den letzten Jahren ein großes Thema, da sie Architekten in überfüllten Ballungsräumen Zugang zu wertvollen und in vielen Fällen reichlich vorhandenen „blauen Flächen“ verschafft.

Floating Architecture: Turning the Tide for Coastal Communities

Durch den Klimawandel steigt weltweit der Wasserspiegel, Küstengemeinden sind von Überflutungen bedroht und reagieren, indem sie auf das Wasser als Wohnfläche ausweichen. Für Städte in Entwicklungsländern ist dieses Konzept besonders interessant, da sie vor zwei Herausforderungen stehen: der schnellen Verstädterung und dem Klimawandel. Dies war auch die Motivation für Adeyemis preisgekröntes Vorzeigeprojekt, die Makoko Floating School in Lagos.

Sie entstand inmitten eines wild gewachsenen Lagunenviertels in der nigerianischen Hauptstadt. Für den Bau nutzte Adeyemi Holz aus der Region und konstruierte dafür eine dreieckige Form, die er auf einem Schwimmkörper platzierte. Auf drei Etagen entstand so unter anderem eine Schule für Kinder, für die es bisher nur eine Einrichtung in einem überflutungsgefährdeten Gebiet gab. Außerdem wurde ein anpassungsfähiger Raum geschaffen, der sich als Gemeinschaftstreffpunkt, Gesundheitszentrum oder Markt eignet – je nachdem, welche Bedürfnisse die Bewohner haben. Neben weiteren Auszeichnungen erhielt die Makoko Floating School 2013 den AR+D Award for Emerging Architecture sowie außerdem eine Nominierung für den International Award for Public Art 2015.

Die zweite Ausführung seiner Makoko Floating School, die MFS II, gewann bei der Architektur­Biennale 2016 in Venedig den begehrten Silbernen Löwen.

Der Sitz von Adeyemis Architekturbüro befindet sich heute in den Niederlanden, der weltweit führenden Nation für schwimmende Gebäude. Von dort aus bringt Adeyemi niederländisches und europäisches Wissen über das Bauen auf dem Wasser in Entwicklungsländer. Gleichzeitig möchte er aber auch urbane Strategien afrikanischen Ursprungs in seine weiter nördlich angesiedelten Projekte einfließen lassen.

Spannende Entwicklungen: Architektur in Nigeria, Tansania und in weiteren Regionen

Weiter südlich an der nigerianischen Küste arbeitete Adeyemi weiter an anpassungsfähigen Raumkonzepten: In Port Harcourt schuf er das schwimmende Medienzentrum Chicoco Radio. Die endgültige Konstruktion verfügt über einen Mast, von dem aus eine Brücke zu Wasser gelassen werden kann – eine Verbindung zwischen der Vergangenheit der Bewohner an Land und ihrer Zukunft auf dem Wasser. Bei all diesen Projekten mit starkem Wasserbezug betont Adeyemi, dass er gar nicht auf schwimmende Architektur fokussiert sei.

„Tatsächlich geht es mir um die Beziehung zwischen dem Wasser und der Stadt, dem Wasser und den Menschen“, erklärt er.

Adeyemis Interesse gilt also ganz allgemein dem öffentlichen Raum. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist die Black Rhino Academy im tansanischen Karatu. Auf drei „Inseln“ – einer zum Spielen, einer zum Leben und einer zum Lernen – erhalten junge Menschen inmitten der Natur einen geschützten Raum, in dem sie sich weiterentwickeln können.

Zu Adeyemis endgültigem Entwurf für das Chicoco Radio gehört ein Mast, über den eine Brücke zu Wasser gelassen werden kann.

Adeyemis Konzepte für eine sich urbanisierende Welt haben ihm in der Architekturszene Lob und Anerkennung eingebracht. Im Jahr 2017 wurde er für den Aga Khan Award als Designkritiker für Architektur an die Harvard­Graduiertenschule für Design berufen. Außerdem war er Jurymitglied bei Auszeichnungen des RIBA (Königliches Institut Britischer Architekten) und AIA (Amerikanisches Institut der Architekten). Weiterhin gewann die zweite Ausführung seiner Makoko Floating School, die MFS II, bei der Architektur­Biennale 2016 in Venedig den begehrten Silbernen Löwen.

„Die Weiterentwicklung der Makoko Floating School ging nicht nur von uns aus, sondern auch von den Menschen vor Ort“, erklärte Adeyemi gegenüber Architectural Digest. „Wir hatten vielmehr eine Vermittlerrolle und taten nichts weiter, als diese Ideen zu einem neuen Ganzen zusammenzufügen oder Bestehendes zu verbessern.“

Woher auch immer der Wind weht und egal, ob gerade Ebbe oder Flut ist – Adeyemis nachhaltiger Ansatz der Stadtentwicklung verleiht seinen Ideen eine bleibende Kraft.

Mit der Black Rhino Academy bietet Kunlé Adeyemi einen Lebens- und Lernraum inmitten der tansanischen Natur.