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Interview mit Ruprecht Melder, Geschäftsführer Chapman Taylor

Am 21.03.1969 wurde Ruprecht Melder in München geboren. Nach Abitur im Jahr 1988 und erfolgreichem Architekturstudium an der TU München im Jahr 1995 entschied sich Ruprecht Melder für das renommierte Büro Chapman Taylor an der Kensington High Street in London zu arbeiten und nach England zu ziehen. Die Zeit in England war prägend für die jetzige internationale Zusammenarbeit innerhalb der Chapman Taylor Gruppe. Im Vordergrund seiner Arbeiten standen Entwurfskonzepte für innerstädtische Entwicklungen und Architektenwettbewerbe, welche zum Teil erfolgreich gewonnen wurden. 1997 wurde das Düsseldorfer Architekturbüro von Walter Brune durch Chapman übernommen. Ruprecht Melder kehrte in diesem Jahr nach Deutschland zurück. Seit dieser Zeit verlagerte sich der Schwerpunkt auch auf die Umsetzung der Projekte.

2010 wurde Ruprecht Melder Prokurist bei Chapman Taylor. Zu dem Verantwortungsbereich in der Objektplanung kamen nun die Verantwortung als Generalplaner von Großprojekten und das Management des Büros hinzu. 2013 wurde Ruprecht Melder verantwortlicher Geschäftsführer und hat den Prozess der heutigen Diversifizierung des Büros gemeinsam mit Jens Siegfried maßgebend vorangetrieben.

1. Welche Gedanken bewegen Sie in diesen Krisenzeiten als Geschäftsführer von Chapman Taylor Architekten?

Ruprecht Melder: Wir haben das Glück, dass wir bisher sowohl gesundheitlich wie auch wirtschaftlich gut durch die Krise gekommen sind. Keines unserer derzeitigen Projekte wurde seit Ausbruch der Pandemie gestoppt bzw. hat sich verzögert, so dass sich die Auslastung unseres Büros nicht geändert hat. Vorrang hatte in dieser Zeit natürlich die Gesundheit der Arbeitnehmer. Aus diesem Grund waren zur Hochzeit der Pandemie 70 Prozent der Mitarbeiter im HomeOffice tätig. Die dafür notwendige Umstellung hatte durch unsere bestehende Infrastruktur nahezu reibungslos funktioniert. Uns war es jedoch wichtig unter Einhaltung strenger Hygienevorschriften, ein Kernteam im Büro zu halten, welches einerseits die Teams im Home-Office koordiniert und andererseits die übergeordneten Managementaufgaben im Büro erledigt. Dieses Zusammenspiel aus Home-Office und Bürotätigkeit hat bis heute gut geklappt und hat uns geholfen, die Krise bisher zu bewerkstelligen. Wir haben alles in die Wege geleitet, die Krise unbeschadet zu überstehen und hoffen, dass dies auch in der Zukunft so bleibt.

2. Wie ist Ihre Einschätzung in mittel- und langfristiger Hinsicht? Viele befürchten, dass das mit der Neubeauftragung nicht mehr ganz so rosig aussehen wird.

Ruprecht Melder: Derzeit sind die langfristigen Auswirkungen der Krise auf zukünftige Investitionen schwer einzuschätzen. Eine Krise führt zu Veränderungen, auf welche der Immobilienmarkt reagieren wird. Die Corona Krise wird nun eine Veränderung z.B. im Bürosektor beschleunigen, welche allerdings schon vor der Corona Krise begonnen hat. Umfragen haben ergeben, dass sich 50 Prozent der Büros bereits vor Ausbruch der Pandemie mittelfristig neu strukturieren wollten, um auf die veränderten Anforderungen in der Arbeitswelt, wie z.B. die Flexibilität der Büroräume, die Flexibilisierung der Arbeitszeit, die Digitalisierung und Wohlfühlatmosphäre zu reagieren. Durch die Corona-Krise wird die Umsetzung dieser Maßnahmen nun zusätzlich beschleunigt. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass bei Unternehmen, bei denen die Umstrukturierung noch nicht stattgefunden hat, Handlungsbedarf besteht. Notwendige Restrukturierungen beschränken sich nicht nur auf Büros, sondern werden auch in anderen Bereichen der Immobilienwirtschaft wie z.B. im Handel stattfinden. Im stationären Handel hatte es ebenfalls bereits vor der Krise notwendigen Veränderungen gegeben, um auf einen Wandel zu reagieren. Die Umsetzung dieser Veränderungen werden nun ebenfalls durch die Corona Krise beschleunigt. In Summe bedeutet dies, dass der Architekt für die Entwicklung neuer innovativer planerische Konzepte auch zukünftig gefragt ist.

Umfragen haben ergeben, dass sich 50 Prozent der Büros bereits vor Ausbruch der Pandemie mittelfristig neu strukturieren wollten, um auf die veränderten Anforderungen in der Arbeitswelt, wie z.B. die Flexibilität der Büroräume, die Flexibilisierung der Arbeitszeit, die Digitalisierung und Wohlfühlatmosphäre zu reagieren. Durch die Corona-Krise wird die Umsetzung dieser Maßnahmen nun zusätzlich beschleunigt.

3. Viele beobachten einen Wertewandel in der Gesellschaft und behaupten, dass die Pandemie das New-Normal ist. Können Sie das bejahen?

Ruprecht Melder: Das würde ich verneinen, die Pandemie wird nicht das New-Normal werden. Vor einigen Wochen waren die Auswirkungen der Pandemie auf unser Leben deutlich zu spüren. Wenn man heute in die Städte geht, sieht man bereits eine Normalisierung, welche wöchentlich durch die Lockerungen zunimmt. Vorherige Krisen haben ebenfalls gezeigt, dass der Mensch relativ schnell wieder in alte Verhaltensmuster verfällt. In drei bis vier Monaten wird es zwar kein Back-to-normal geben, aber die Arbeitswelt wird sich auch weitestgehend wieder beruhigt haben und die angeschobenen Veränderungen werden, wie bereits erwähnt, nun beschleunigt.

4. Welche Anforderungen an den Architekten werden durch die Krise zunehmen? Was wird anders sein?

Ruprecht Melder: Wie in anderen Berufssparten wird die nun beschleunigte Digitalisierung innerhalb eines Büros auch beim Architekten zu veränderten Anforderungen führen. Die Art der Kommunikation wird sich ändern, da Videokonferenzen sich positiv durchgesetzt haben und eine Ergänzung zu externen Terminen werden. Ansonsten werden sich die Anforderungen an den Architekten nicht ändern, da der Architekt für den Bauherrn immer der erste Ansprechpartner ist und demnach die Pflicht hat, den Bauherrn auf die geänderten Anforderungen zu beraten. Die Immobilien werden schneller auf neue Anforderungen und Bedürfnisse der Mieter reagieren. Aus diesem Grund wird die Flexibilität der Mietflächen von großer Bedeutung sein, aber ebenso werden die Themen der Nachhaltigkeit, der Digitalisierung eines Gebäudes und das modulare Bauen im Planungsprozess eine größere Rolle spielen.

Das Büro der Zukunft sollte demnach auf veränderte räumliche Anforderungen flexibel reagieren können. Hier ist die Verwendung von Ausbaumodulen interessant, welche es dem Mieter ermöglichen, vor Bezug mittels passender Ausbaumodule Ihre individuellen Anforderungen zusammenstellen. Diese Module können dann auch während einer Mietzeit relativ einfach angepasst und umgebaut werden.

5. Können Sie uns beschreiben, wie das Büro der Zukunft ausgestattet ist?

Ruprecht Melder: Das Büro der Zukunft muss eine Flexibilität ermöglichen, um auf die Anforderungen der Nutzer einzugehen. Diese können je nach Berufssparte natürlich sehr unterschiedlich sein. In Berufen, in welchen eine hohe Kreativität erforderlich ist wie z.B. bei Werbeagenturen oder in Architekturbüros, ist der kreative Austausch zwischen den Kollegen wichtig. In diesen Büros wird der gemeinschaftlich genutzte Raum deutlich mehr Bedeutung haben, als zum Beispiel bei Rechtsanwälten, bei welchen ein größeres Gewicht auf geschlossene Räume gelegt wird, um vertrauliche Gespräche ungestört führen zu können. Das Büro der Zukunft sollte demnach auf veränderte räumliche Anforderungen flexibel reagieren können. Hier ist die Verwendung von Ausbaumodulen interessant, welche es dem Mieter ermöglichen, vor Bezug mittels passender Ausbaumodule Ihre individuellen Anforderungen zusammenstellen. Diese Module können dann auch während einer Mietzeit relativ einfach angepasst und umgebaut werden. Somit ist es möglich, dass der Mieter auf Veränderungen und Einflüsse während seiner Mietzeit schneller reagieren kann und sein Büro leichter umstrukturieren kann. Dies kann ein Trend in der Zukunft sein. In England werden die Open-Space-Büros mit flexiblen Anordnungen von Modulen wie „booth“ bzw. „cubicals“ immer populärer. Diese ermöglichen für den Menschen innerhalb einer Mietfläche Rückzugsorte, die schallgeschützt sind, in denen man z.B. in Ruhe telefonieren kann, ungestört arbeiten, Videokonferenzen führen oder Besprechungen abhalten kann. Diese Rückzugsorte werden zunehmend wichtiger werden. Die offene Bürostruktur ermöglicht wiederum sich austauschen, kreativ zusammenzuarbeiten und fördert das soziale Miteinander. Der Austausch der Mitarbeiter im Büro wird in Zukunft wichtiger werden, da es einen hohen Anteil an Mitarbeitern geben wird, welche zeitweise im Home-Office arbeiten. Umfragen haben ergeben, dass zwanzig bis dreißig Prozent der Mitarbeiter zukünftig teilweise im HomeOffice und teilweise im Büro arbeiten. Grundsätzlich wird das Büro auch in Zukunft seine Berechtigung haben und gemeinsam mit dem HomeOffice ein hybrides Arbeiten ermöglichen. Der kreative und soziale Austausch der Mitarbeiter im Büro, verbunden mit der notwendigen Identifikation eines Unternehmens, werden bei einem höheren Anteil an Home Office zunehmend an Bedeutung gewinnen. Der Flächenbedarf wird sich trotzdem wenig reduzieren, da sich der erhöhte Platzbedarf pro Mitarbeiter, welcher in der Corona Krise erforderlich ist, nicht mittelfristig reduzieren lässt. In dem Büro der Zukunft werden die angesprochenen Trends wie Digitalisierung, Gesundheit, Wohlfühlatmosphäre, Nachhaltigkeit und Mobilität eine große Rolle spielen. Durch die Corona Krise ist nun zusätzlich das Thema Hygiene hinzugekommen. Es ist davon auszugehen, dass sich die Gebäudeautomatisationen wie z.B. sensorgesteuerte Armaturen, Automatiktüren, digitale Lichtsteuerungen, schalterlose Räume etc. weiter durchsetzen werden und somit den Hygieneaspekt berücksichtigen. Digitalgesteuerte und schalterlose Räume haben zudem den Vorteil, dass die Trennwände frei von Kabeln sind und somit einfacher umgebaut werden können.

6. Die Presse spricht von enormen Leerständen im Bürobereich. Wie beurteilen Sie die Lage?

Ruprecht Melder: Einige Investoren sehen nun erst recht auch eine Chance ein „Produkt“ anzubieten, welches zukunftstauglich und somit auch vom Mieter gefragt ist. Leerstände bieten bei einer guten Lage wiederum die Chance einer Umnutzung bzw. einer Neuentwicklung und somit die Möglichkeit, durch modernere Immobilien auf neue Nachfragen zu reagieren.

Grundsätzlich wird das Büro auch in Zukunft seine Berechtigung haben und gemeinsam mit dem Home Office eine hybrides Arbeiten ermöglichen. Der kreative und soziale Austausch der Mitarbeiter im Büro, verbunden mit der notwendigen Identifikation eines Unternehmen, werden bei einem höheren Anteil an Home Office zunehmend an Bedeutung gewinnen.“

Ruprecht Melder
Chapman Taylor Architekten

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